Verwandtschaft Heterohyus nanus gehört zu den Apatemyiden, einer Säugetiergruppe deren nächste Verwandte, nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand, eine Gruppe namens Euarchontoglires sind. Zu den Euarchontoglires gehören die heutigen Primaten, Riesengleiter, Spitzhörnchen, Nagetiere und Hasenartigen.
Aussehen und Lebensweise Der Langfinger war mit 14 cm Länge plus 15 cm – 17 cm langem Schwanz etwa so groß wie ein Eichhörnchen und lebte kletternd in den Bäumen. Eines der gefundenen Exemplare weist noch einen Teil der Schwanzbehaarung auf. Der Schwanz war wahrscheinlich überall dicht behaart, hatte aber mindestens eine dicht behaarte Schwanzquaste.
Wie der Name verrät, ist das herausragendste Merkmal des Langfingers seine Finger. An den Vorderpfoten sind die Knochen von Zeige- und Mittelfinger verlängert. Auch die Knochen an der Mittelhand sind verlängert. Mit diesen verlängerten Fingern erbeutete der Langfinger Insektenlarven und anderen Nahrung aus Baumstämmen. Hierin gleicht er zum einen dem Fingertier von Madagaskar und zum anderen den fünf Arten der Streifenbeutler von Neuguinea, z.B. Langfingerstreifenbeutler und Großem Streifenbeutler. Es sind aber bei Langfinger, Fingertier und Streifenbeutler jeweils andere Fingerknochenkombinationen verlängert, sodass diese Tiere nicht miteinander Verwandt sind, sondern dieses Merkmal unabhängig voneinander, in Anpassung an eine ähnliche Ernährungsweise, entwickelt haben. Die kräftigen Zähne vom Langfinger zeigen, dass er wie das Fingertier, nachdem er einmal Nahrung geortet hatte, mit seinen Zähnen die Rinde aufbiss, um die Beute dann mit den Fingern heraus zu angeln.
Entwicklungsgeschichte Die Apatemyiden entwickelten sich vermutlich in Nordamerika und wanderten dann im frühen Eozän über die Thulelandbrücke nach Europa ein. Die letzten Apatemyiden lebten am Ende des Eozäns in Europa.
Warum sind der Langfinger und die anderen Apatemyiden ausgestorben? Ein möglicher, allerdings nicht bewiesener Grund für das Aussterben der Apatemyiden könnten die Spechte sein. Mit den Fingern in Holz und Rinde nach Insektenlarven bohrende Säugetiere sowie Spechte besetzen ähnliche ökologische Nischen. Spechte sind hierin allerding viel effizienter. Säugetiere wie Streifenbeutler und Fingertiere konnten also nur dort überleben und/oder sich entwickeln, wo es keine Spechte gibt. Spechte konnten sich nie nach Madagaskar, Neuguinea oder Australien ausbreiten. Deshalb gibt es hier Fingertiere und Streifenbeutler. Im Eozän gab es in Europa keine Spechte bzw. die Spechte hatten noch nicht die heutige Lebensweise. Die ältesten Spechtfossilien stammen aus dem Oligozän, dem Zeitalter, welches nach dem Eozän folgte. Es gibt Theorien, dass sich die Spechte schon im Eozän entwickelt hatten. Es ist also möglich, dass einige Spechte am Ende des Eozäns begannen mit holzbohrenden Insektenlarven ihr Nahrungsspektrum zu erweitern, somit zum Langfinger und seinen Verwandten in Konkurrenz traten. Dadurch wurden die Apatemyiden nach und nach verdrängten, bis die Letzten in ihrem Rückzugsraum in Europa verschwanden.
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Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung