Aussehen Das Schuppentier Eomanis waldi war ungefähr halb so groß wie die meisten heutigen Schuppentiere. Mit diesen teilt sich E. waldi aber verschiedene körperliche Merkmale, wie überlappende Hornschuppen am Körper, starke Krallen an den Fingern sowie einen zahnlosen und röhrenförmigen Schädel. Der Schwanz war dagegen nur halb so lang wie bei den heutigen Schuppentieren.
Lebensweise Die Schädelform ist eine Anpassung an die Ernährungsweise. E. waldi hat sich wie die heutigen Schuppentiere von nicht flugfähigen staatenbildenden Insekten, also Ameisen und Termiten, ernährt. Die Finger mit den starken Krallen sind zum Graben geeignet. Die Größe und Krümmung der Krallen des Vorderfußes gleichen jenen heutigen Schuppentierarten, welche Jagd auf Termiten in ihren Nestern machen. Viele Termiten errichten meterhohe Bauten, deren Baumaterial so fest ist, dass sie mindestens bis zu viertausend Jahre alt werden können. Zudem können Termitenhügel über zehn Meter hoch sein. Mit den Krallen konnten solche harten Termitenhügel aufgerissen werden, um besser an die Termiten zu gelangen. In der Grube Messel sind bereits erste, wenn auch noch wenige, Termiten gefunden worden. Im Gegensatz dazu sind Ameisen recht häufig und mit zahlreichen Arten vertreten. Der im Vergleich zu heutigen Schuppentieren kürzere und schwächere Schwanz spricht für eine bodenlebende Lebensweise.
Im versteinerten Magen-Darm-Inhalt dieses Schuppentieres findet man zwei verschiedene Reste. Zum einen Sand. Schuppentiere fressen Sand, damit dieser die harten Chitinhüllen der gefressenen Insekten zerreibt. Chitin ist das Material, woraus das Außenskelett der Insekten besteht. Außerdem finden sich Pflanzenreste wie Blattfragmente im Magen-Darm-Bereich, obwohl E. waldi mit seiner zahnlosen Röhrenschnauze keine Pflanzen zerkauen konnte. Eine Möglichkeit wären Blattschneiderameisen, die zerschnittene Blätter in ihre Nester transportierten und dabei gefressen wurden. Allerdings sind Blattschneiderameisen bisher nur aus Amerika bekannt. Es muss also offenbleiben, ob es im Eozän in Mitteleuropa Blattschneiderameisen gab, eine andere Ameisengruppe damals Blätter zerschnitt und transportierte oder dies eine andere Ursache hat.
Besonderheiten Eomanis waldi wurde bisher nur in der Grube Messel nachgewiesen. Bisher stellt E. waldi zusammen mit weiteren Messeler Arten von Schuppentieren, das älteste unzweifelhafte Schuppentier der Welt dar. Die Messeler Schuppentiere halfen wesentlich eine neue wissenschaftliche Theorie über die Ausbreitung der Schuppentiere aufzustellen. Laut dieser Theorie geht die Wissenschaft davon aus, dass sich die Schuppentiere auf dem Kontinent Laurasien entwickelt haben, vermutlich im Bereich des heutigen Europas. Sie entwickelten sich entweder aus einer Gruppe der im heutigen Asien, Europa und Nordamerika lebenden Palaeanodonta oder haben mit den Palaeanodonta einen gemeinsamen Vorfahren. Anschließend besiedelten die Schuppentiere Afrika, bevor sie sich nach Asien ausbreiten konnten. Von Asien oder Europa erreichten sie auch Nordamerika.
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Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung