VERWANDSCHAFT Bisher ist das exzellent erhaltene Skelett von Eurotamandua joresi aus der Grube Messel das einzige vollständige Fossil, welches von dieser Art bekannt ist. Außer diesem Exemplar sind nur eine Elle und ein Oberarmknochen aus dem Geiseltal bekannt. Es galt lange Zeit als ein Sensationsfund, da das Tier den heutigen Tamanduas unglaublich gleicht. Die Tamanduas oder Kleinen Ameisenbären, sind zwei kleine, kletternde Ameisenbärenarten, welche in Mittel- und Südamerika leben. Deshalb wurde das Tier auch Eurotamandua, also Europäischer Tamandua genannt. Das Besondere ist nun, dass alle heutigen Ameisenbären in der Neuen Welt leben und auch alle bekannten Fossilien nur von dort stammen. Wie kommt also ein Ameisenbär, welcher auch gleichzeitig der älteste bekannte Ameisenbär wäre, nach Europa? Die Antwort schien, dass es eine unbekannt Landverbindung zwischen Europa und Südamerika gegeben haben musste (möglicherweise über Afrika). Auch ein paar weitere Fossilien von einem Krokodil, einer Palme und einem Flamingo wiesen auf diese Südamerikaverbindung hin. Schließlich konnte jedoch herausgefunden werden, dass der „Ameisenbär“ ein Schuppentier war, welches wie ein Ameisenbär aussah. Eine ähnliche Nahrung und Lebensweise hatten in der Evolution der Tierart und seiner Vorfahren zu einem ähnlichen Aussehen geführt. Schuppentiere waren aus der Grube Messel schon bekannt. Nun ist also eine dritte Schuppentierart hinzugekommen. Der postcraniale Teil des Skeletts (das ganze Skelett ohne den Schädel), ist ähnlich demjenigen der beiden anderen Schuppentieren der Grube Messel. Dies macht nun natürlich die Südamerika-Europa-Verbindung wieder unwahrscheinlicher. Wie die wenigen anderen Fossilien, welche hierauf hinweisen zu interpretieren sind, ist also wieder offen. Auch bei ihnen könnte es sich um sogenannte „konvergente Evolution“ handeln. Vielleicht hat es die Verbindung nach Südamerika (kurz) gegeben, nur, dass das Ameisenbärenschuppentier nicht hierher stammt. Die dritte Möglichkeit besteht darin, dass diese Arten durch driften auf Flößen aus Pflanzenmaterial den noch kleineren Atlantik überwanden.
LEBENSWEISE Die mittleren Vorderkrallen, welche vergrößert sind, weisen darauf hin, dass das Ameisenbärenschuppentier E. joresi sich von Ameisen ernährte. Mit den kräftigen Mittelkrallen konnten die Tiere Insektennester und Insektenbaue aufreißen, um sie zu plündern. Im Mageninhalt befinden sich Insektenpanzer, Blattstücke und Sandkörner.
Bildnachweis
Foto: Hessisches Landesmuseum Darmstadt